Zero Gravity

Eigentlich war ich zum Onsighttraining in die Freisinger Kletterhalle gefahren, um mich an neuen, unbekannten Routen auf die anstehenden Wettkämpfe vorzubereiten. Doch da erfuhr ich, dass gerade ein Spaßwettkampf namens „Zero Gravity“ ausgetragen wurde. Es galt möglichst viele der 60 Routen in einem Zeitfenster von einigen Wochen im Vorstieg durchzusteigen. Da ich mir eh die schwereren Routen anschauen wollte, dachte ich mir: „Was solls, mach doch einfach mit!“ Am ersten Tag räumte ich schon ziemlich gut ab. Bis auf einen 10er kletterte ich alle 9er durch. Dann musste ich noch zweimal nach Freising um die restlichen 45 Routen abzuhaken, wobei der ein oder andere 8er ziemlich gemein war! Nur diese eine grüne 10- konnte ich nicht knacken. Eigentlich war es nur ein Einzelzug, bei dem ich wieder und wieder ins Seil fiel. Nach gefühlten 20 Versuchen bekam ich ihn dann endlich hin. Aber im Durchstieg fehlte mir leider das letzte Quäntchen Glück, um die weit entfernte Leiste genau im richtigen Punkt zu erreichen. Ärgerlich!

1. Platz in Freising

1. Platz in Freising

Da ich normalerweise nicht in Freising bin, konnte ich auch schlecht einschätzen, wer denn noch so im Rennen ist. Die Siegerehrung wurde deswegen um so spannender! Es hieß, der dritte Platz habe schon 58 von 60 Routen geschafft…

Doch dann kam die erlösende Nachricht: „Es gibt einen Doppelsieg“!
So habe ich mit 59 gekletterten Routen den
1. Platz geholt.
Da hätte ich mich ja in Grund und Boden geärgert, wenn ich wegen diesem einen Zug den Sieg verpasst hätte… ;D

Tölzer Meisterschaft 2016

Zum fünften Mal nahm ich dieses Jahr an der Tölzer Stadtmeisterschaft teil. Diesmal ging ich sogar als Titelverteidiger ins Rennen. Doch meine Hauptkonkurrenten standen fest. Es waren keine Geringeren als Maxi Zwicklbauer und Markus Herdieckerhoff. Dass es eine knappe Entscheidung geben würde, war schon vor dem Beginn des Wettkampfes klar.
Dann gings aber los! Die ersten 4 Routen waren kein großes Problem für uns drei. Doch in der fünften Route fiel ich leider im oberen Teil raus und lag somit 4 Punkte im Rückstand. Nun kam es drauf an, die drei kniffligen Boulder möglichst zu flashen. Jeder von uns scheiterte an einem anderen Boulder.
Das Ergebnis nach der Quali lautete dann:

1. Markus Herdieckerhoff   137 Punkte
2. Steffen Hilger                 133 Punkte
3. Maxi Zwicklbauer           132 Punkte

Im Finale in Tölz 2016

Im Finale in Tölz 2016

Wir inspizierten vor dem Finale gemeinsam die Route, in der wir uns beweisen mussten. Allerdings ahnten wir, dass diese etwas zu leicht geschraubt sein könnte. Das bedeutete, dass man sich hier blos keinen Fehler erlauben darf, ansonsten würden die ersten Plätze schnell an jemand anderes vergeben werden. Dann war es endlich soweit! Jetzt mussten wir nacheinander in die schwarze Finalroute einsteigen. Und tatsächlich kamen wir alle drei souverän am Topgriff an. Somit zählte dann das Ergebnis aus der Vorrunde.
Auch wenn mir mein Boulderwelt-Teamkollege Markus den Sieg vor der Nase wegschnappte, war ich sehr zufrieden mit meiner Leistung, denn in der Finaltour lief alles perfekt! In einem Rythmus kletterte ich Zug für Zug bis zum Top.  Das war echt ein cooles Gefühl! 🙂

 

Messeauftritt auf der FAF

Messestand der AH Stuck

Messestand der AH Stuck

Auf der Messe Farbe, Ausbau, Fassade (FAF) vertrat ich als Kletterer die Kletterhalle High-east. Der Aussteller Axel von der Herberg hat sich etwas besonderes überlegt, um die Qualität seiner selbst gefertigten Stuckleisten hervorzuheben. Er hat eine kleine Wand mit seinen Stuckleisten präpariert, an denen ich klettern sollte. Die halten richtig was aus!

Ein Video von der Malerzeitschrift „Mappe“ dazu gibts hier!

8a Onsight in Geyikbayiri

Landung in Antalya

Landung in Antalya

Während in München der kalte Winter das Felsklettern stark einschränkte, flog ich zusammen mit meinem Boulderwelt-Team Trainer Christoph Gabrysch in die sommerliche Türkei nach Antalya. In der prallen Sonne war es hier nicht auszuhalten, weswegen wir vorwiegend Schattengebiete aufsuchten. In Trebenna mussten wir ganz schön in den Routen kämpfen. Hier ist dreidimensionales Klettern an Sinterfahnen im steilen Gelände gefragt. Gar nicht so einfach, wenn man nicht daran gewöhnt ist. Aber trotzdem ist die zerklüftete Wand dort sehr beeindruckend.
Für mich war jedoch das absolute Topgebiet des Urlaubs etwas höher in den Bergen

Je suis cuite 8a+; Foto Wolfgang Ebner

Je suis cuite 8a+; Foto Wolfgang Ebner

gelegen. Citdibi ist eine 150 Meter hohe, leicht überhängende Kalkmauer. Die dunklen Streifen der Tufas ergeben hier wahre Linien, die man einfach klettern muss! Wir waren überwältigt, als wir zum ersten Mal an den Platz kamen, der mit seinen weißen Bäumen schon sehr an die Stadt Minas Tirith aus „Der Herr der Ringe“ erinnert.

Je suis cuite 8a+ in Citdibi; Foto Wolfgang Ebner

Je suis cuite 8a+ in Citdibi; Foto Wolfgang Ebner

Ich sah diese 40 Meter-Route „Je suis cuite“ 8a+ von Nina Caprez entlang dem einzelnen Tufa und ich wusste sofort: Diese Route will ich klettern!
Nach einem Ausdauerfight ohne Ende konnte ich sie dann im 2. Versuch punkten!
Das war echt ein geiles Gefühl, alles zu geben und dann am Top zu stehen.

Und das Beste: Nach jedem noch so harten Klettertag konnten wir im All-inclusive-Hotel unsere Energiereserven wieder komplett auffüllen. Nach einer Woche ging Christophs Rückflug. Er konnte eine 8a un ein paar 9er klettern. Die zweite Woche begleiteten mich die Mendls, eine Familie aus München. Neben vielen 7c-Routen im 1. Versuch kletterte ich nun auch meine erste 8a im Onsight!
Auch eine lange 8b gelang mir. Nach meiner persönlichen Einschätzung fiel diese mir aber nicht so schwer, wie andere 8b-Routen. Obwohl ich mal erkältet im Hotelzimmer liegen bleiben musste, konnte ich doch folgende Routen in den beiden Wochen in der

Steffen in Geyikbayiri

Steffen in Geyikbayiri

Türkei klettern.

 

-1x 8b
-2x 8a+
-1x 8a onsight; 1x 8a flash; 1x 8a
-13x 7c/7c+
-10x 7b/7b+

Die „ewigen Flammen“ in Olympos und der herrliche Kiesstrand bei Antalya rundeten diesen Urlaub perfekt ab. Man muss eben nur wissen, wie man dem kalten Winter aus dem Weg geht. 😉

Gasteintrag zur Climb Free

von Julia Kressirer

Boulder 3 Climb Free 16

                 Boulder 3 Climb Free 16

Wie jedes Jahr, sind wir auch dieses Mal wieder zur Messe f.re.e in München gefahren, um an der offenen Bouldermeisterschaft Climb free teilzunehmen.
Dieses Mal lief es bei mir in der Qualifikationsrunde besser als erwartet, sodass ich es als Dritte ins Finale schaffte. Zufälligerweise ist auch Steffen als Drittplatzierter ins Finale gekommen, sodass wir beide immer gemeinsam aus der Isolation geschickt wurden und gleichzeitig bouldern konnten.

High-east Athletes auf der Free 16

       High-east Athletes

Das Finale bestand aus jeweils drei Bouldern, die jeder im Onsight-Modus meistern musste. Den ersten Boulder kletterten Steffen und ich beide erfolgreich im ersten Versuch. Bei dem nächsten Boulder bin ich zweimal bis zum vorletzten Griff gekommen, habe aber leider den Topgriff nicht erreichen können. Auch Steffen hat seinen zweiten Boulder nicht toppen können. Mit durchgekletterten Fingern und gepumpten Armen mussten wir dann noch in den letzten Boulder einsteigen. Diesen habe ich leider nicht bis zur Zone geschafft, konnte aber aus meinen Augenwinkeln beobachten, wie Steffen eine spektakuläre Turnaktion in seinem Boulder darlegte, ihn jedoch vor dem Zielgriff die Kraft verlies.

Letztendlich wurde ich Fünfte von sechs Finalistinnen und stand leider nicht auf dem Siegertreppchen. Ganz im Gegensatz zu Steffen, der sich vom Drittplatzierten auf den Zweitplatzierten verbessert hatte!
Als Belohnung haben wir beide einen Pullover gewonnen und sind anschließend völlig erschöpft und hungrig in ein Restaurant gefahren, um den Tag ruhig ausklingen zu lassen.

Siegerehrung

                           Siegerehrung

24 8a-Routen – Ziel erreicht!

Für das Jahr 2015 hatte ich mir vorgenommen, am Fels 24 Routen im Schwierigkeitsgrad 8a oder schwerer zu klettern.
Wieso denn jetzt genau 24?
Im Januar kletterte ich zwei 8a-Routen, da dachte ich mir, schaun wir mal, ob das so weiter geht. Im März holte ich mir dann meine erste 8c! Über den Sommer hinweg kamen noch drei 8bs und einige 8a+ hinzu. Der gewünschte Effekt meines Projektes war, dass ich an möglichst vielen verschiedenen Felsarten schwer klettern kann. So reiste ich nach Mallorca, Kalymnos, Südtirol, in die Schweiz, ins Frankenjura, ins Zillertal und natürlich in unsere bayerischen Voralpen. Zudem stärkte ich meine Psyche, denn in den hohen Graden, wird einem immer etwas Unangenehmes abverlangt. Egal ob weite Hakenabstände in Sinterwäldern, oder komplett glatte Plattenstellen, irgendwo muss man immer beißen! Am Ende des Jahres wurde es aber nochmal richtig knapp, als der erste Schnee einsetzte. Da dachte ich schon, es sei aus mit dem Traum. Aber ich bin trotzdem bei Minusgraden in schattige Überhänge eingestiegen, denn die Wochenenden waren gezählt.
Schließlich knackte ich vor ein paar Tagen die 24. 8a nach einem anstrengenden Schraubertag in Bad Reichenhall kurz bevor es dunkel wurde. Im zweiten Go toppte ich in Karlstein die Route „Just a poke“ von Alex Huber. Ziel erreicht!

Vielen Dank an alle, die mich in meinem Vorhaben unterstützt haben und mit mir zusammen am Fels waren. Jeder einzelne Tag war es Wert! 🙂

Sonnenuntergang auf Kalymnos

        Sonnenuntergang auf Kalymnos

Kalymnos!

Kalymnos climbing

                                  Kalymnos climbing

Florian Hecht aus dem High-east Athleten Team fragte mich im Sommer, ob ich nicht Lust hätte mit seiner Familie mit nach Kalymnos zu kommen.

„Kalymnos?! Lust?!“
„Ich bin dabei!!!“ rief ich vor Freude.
Ich hatte schon von vielen Leuten gehört, dass Kalymnos der absolute Hammer sein muss, aber dort gewesen war ich noch nie. Doch Anfang November war es

Grande Grotta

            Grande Grotta

endlich so weit. Nach einer Reise mit Flugzeug, Boot und Taxi erreichten wir nun unsere Unterkunft in Masouri. À propos Masouri, ich hätte nie gedacht, dass es noch ein zweites Arco auf der Welt gibt, doch hier war es. Übersäht mit Kletterläden und Restaurants, die ausschließlich mit Leuten, die bunte Klamotten, weite Hosen und große Rucksäcke trugen, gefüllt waren. Es mussten wohl Kletterer sein…

Am nächsten Morgen wurden wir geweckt vom lauten Röhren der Roller, dem Transportmittel Nr. 1 auf Kalymnos. Zuerst wollten wir natürlich zum Markenzeichen der Kletterinsel, der Grande Grotta. Eine unvorstellbar große Höhle gespickt mit unzähligen Stalaktiten. Und auch die

Beim Ablassen überm Meer

          Beim Ablassen überm Meer

Panorama-Wand daneben bietet Sinterkletterei vom aller Feinsten! Wir kletterten eine Route nach der anderen bis es dunkel wurde und das jeden Tag! Am Ende waren es in 6 Klettertagen 23 Routen zwischen 7b und 8a bei mir. Und auch Flo konnte Routen bis 7c punkten. Abends gabs immer richtig leckeres Essen und auch ordentliche Portionen, die einem wieder die nötige Energie für den nächsten Klettertag zuführten. Die täglichen, wolkenlosen 20 Grad machten den Urlaub perfekt fürs Klettern hier.
Fast schon ein wenig sehnsüchtig sah ich dann der Insel vom Boot aus hinterher, als wir die Heimreise zurück über Kos nach München antraten. Aber der nächste Urlaub kommt bestimmt! 🙂

Achja, weil Kalymnos doch bekannt für seine leichten Bewertungen ist. Im aktuellen Führer wurden einige Routen abgewertet. Ich persönlich fand die Routen nicht besonders leicht für die gegebenen Grade, aber vielleicht hatte ich auch nicht den richtigen Riecher.
Wer weiß?

21 von 24 8a-Routen – Der Countdown läuft!

Dieses Jahr habe ich mir zwei Ziele fürs Felsklettern vorgenommen:
meine erste 8c-Route
und 24 8a-Routen.

Im März gelang mir bereits die 8c „Perestroika“ auf Mallorca. Doch mein zweites Ziel stellt sich als deutlich langwieriger heraus. 24 8as oder schwerer zu klettern dauert eben seine Zeit. Vorallem wenn man in den letzten Monaten im Lernstress für die Abschlussprüfungen steckt und sich die Vorbereitung für den Wettkampf „I Sicher Scho 5“ auch nicht von selbst erledigt. Doch die schriftliche Abschlussprüfung zum Sport- und Fitnesskaufmann ist nun endlich vorbei! Und der Wettkampf ist mit einem Teilnehmerrekord auch sehr gut verlaufen. 
Vor kurzem war ich mit Julia und Reini am Schleierwasserfall, wo ich meine 21. 8a in diesem Jahr klettern konnte. Sie trägt den Namen „Don´t stop under the top“.
Und nach diesem Motto werde ich auch nicht aufgeben, auch wenn es jetzt echt knapp wird, in nur noch einem verbleibenden, verschneiten Monat noch die letzten drei 8as zu klettern.

Also drückt mir die Daumen! 😉

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Deutscher Leadcup in München

Deutscher Leadcup Freimann

Deutscher Leadcup Freimann

Deutscher Leadcup Freimann

Deutscher Leadcup Freimann

Letztes Wochenende fand der erste Deutsche Leadcup dieses Jahr statt. Als Location diente die neue DAV-Halle in München-Freimann. An der wettkampftauglichen Außenwand waren durchwegs sehr gute Routen geschraubt, die alle Athleten ordentlich auf die Probe stellten.
Ich startete bei den Erwachsenen am Samstag. Meine erste Qualiroute verlief an kleinen, weißen Spax über Volumen mitten durch den steilen Überhang. Es war ein klares Ausdauerproblem mit echt coolen Zügen. Ich bin fit und kam echt richtig weit.
In der zweiten Route war es leider schon ein wenig früher aus für mich. Ich konnte die große Zange nur sehr schwer halten und die Leiste danach war einfach zu schlecht. So landete ich nur auf dem 16. Platz. Gerne wäre ich ins Finale geklettert, wozu ich allerdings acht Plätze hätte gut machen müssen.

Am nächsten Tag durfte aber die Jugend beweisen, was sie drauf hat. Aus meinem High-east Athleten Team starteten Falk Faßbender, Kathi Haimerl und Florian Hecht. Flo hat es ins Finale der Jugend A geschafft und holte den 5. Platz! Starke Leistung!

Steffen beim Routen anschauen

Steffen beim Routen anschauen

Abenteuer auf der Ahornspitze

Der Große Löffler

Letztes Wochenende war ich mit Melanie, Alex und Miriam im Zillertal. Am ersten Tag waren wir an der Bergstation, denn ich wollte unbedingt noch die 8b „Caramello“ klettern. Es handelt sich hierbei um leicht überhängende Ausdauerkletterei an großen Sloperkanten mit einem harten Boulder zum Schluss. Beim letzten Mal bin ich immer ganz oben rausgeflogen. Deshalb dachte ich, dass ich die Tour ziemlich schnell abholen werde.
Doch das war wohl nix. Immer wieder flog ich bei den letzten Zügen raus, echt ärgerlich. Aber ich finde die Route wirklich gut und darum will ich sie einfach klettern, egal wie lange ich dafür brauche! Im letzten Versuch, bevor wir den Abstieg antraten, war es dann endlich soweit! Diesmal hatte ich ein kleines bisschen mehr Power am Ausstiegsboulder und ich konnte sehnsüchtig den Umlenker klippen!
Ich war sehr stolz und glücklich, denn ich habe immerhin 14 Versuche dafür gebraucht. Je länger es dauert und je mehr Kraft man in eine Route stecken muss, umso ein besseres Gefühl hat man danach und das macht es zu einem unvergesslichen Moment!

Selfie am Gipfel der Ahornspitze

Selfie am Gipfel der Ahornspitze

Am nächsten Tag stand für mich eine Bergtour auf dem Programm. Ich wollte auf die 2973 Meter hohe Ahornspitze steigen. Nach der Gondelfahrt standen noch etwa 1000 Höhenmeter zwischen mir und meinem Ziel. Ich entschied mich für den üblichen Weg über die Edelhütte. Das ging gut und nach 3 Stunden stand ich auf dem Gipfel und konnte die umliegenden Gletscher und Stauseen bewundern. Den Abstieg wählte ich mit Thorsten, der mich begleitete, über einen ausgesetzten und sehr schönen Grat. Es war ein super Weg mit einer tollen Aussicht in alle Richtungen. Schwer war es überhaupt nicht und wir fühlten uns sicher, als wir die Variante weiter über den Grat direkt zur Ahornbahn gewissenhaft mit den Augen prüften. Es querte ein schmaler Pfad einige Meter unterhalb dem Grat durch eine steile Wiese. Nichtmal mehr felsig war es dort, sollte also gut gehen. Im Rücken braute sich schon ein Gewitter zusammen, als wir uns für den womöglich schnellsten Weg über besagten Grat entschieden. Der Pfad wurde irgendwie immer schmäler, jetzt nur noch fußsohlenbreit. Ich war mir nicht mehr sicher, ob diese Spur vielleicht nur durch Gämsen entstanden war. Die Wiese war nun richtig steil und man konnte hier in gerader Linie bis ganz hinunter zum Stillupspeicher sehen. Spätestens jetzt wusste ich ganz genau, dass wenn ich abrutschen würde, ich mich niemals am Gras festhalten könnte. Ich würde einfach auf der glatten Wiese hinunter rutschen bis in den 2000 Meter tiefer gelegenen See. Diese Gedanken lösten eine Unsicherheit in mir aus, die ich beim Bergsteigen noch nie zuvor erlebt hatte. Ich merke durchaus, wann eine Situation gefährlich ist, doch dieses Mal war es mir zu gefährlich!

Zillertaler Alpen

Die Zillertaler Alpen

Im Rücken der herannahende Donner – ein Umkehren war also nicht mehr möglich. Ich blieb kurz stehen und sammelte mich. Wenn ich in die Ferne sah, schrumpfte das Bild in sich zusammen, das war ganicht gut. „OK, ich behalte jetzt den Überblick“, sagte ich zu mir selbst. Es sah in diesem Moment aussichtslos aus. Das steile Stück mochte einfach nicht aufhören. Doch ich dachte an den letzten Gipfel, ehe es leichter hinunter ging zur Bahnstation. Dann ging es wieder, ich konzentrierte mich ganz besonders, um nur keinen Fehltritt zu machen. Aus der Wiese sprangen hunderte Grashüpfer, wenn man ihnen zu Nahe kam. Da war er nun, der letzte kleine Gipfel und hier konnte man den großen Weg hinab zur Gondel sehen.
Puuh, geschafft!
Sichtlich erschöpft schwebte ich schließlich hinab ins Tal…